EU und VAE am Verhandlungstisch – Weg zum Freihandelsabkommen
Ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und den VAE wäre angesichts der engen wirtschaftlichen Verflechtungen äußerst begrüßenswert.
Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben sich seit Staatsgründung im Jahr 1971 zu einem bedeutenden Wirtschaftsstandort in der Region des Nahen und Mittleren Ostens entwickelt. Während das Land kurz nach Staatsgründung zunächst international noch vergleichsweise unbekannt war, haben sich insbesondere die Emirate Dubai und Abu Dhabi heute als attraktive und global bedeutsame Unternehmens- und Investitionsstandorte etabliert. Die VAE verfügen zwar über umfangreiche Rohstoffvorkommen, arbeiten jedoch seit Jahrzehnten systematisch und äußerst erfolgreich daran, ihre Wirtschaft zu diversifizieren. Im Jahr 2024 trugen die Nicht-Öl-Sektoren zu 75,5 % des Bruttoinlandsproduktes des Landes bei.
Um die regionale und globale Wirtschaftsstellung des Landes weiter zu stärken, verfolgen die VAE seit September 2021 das sog. Comprehensive Economic Partnership Agreements (CEPA) Programme, das zentraler Pfeiler der Außenhandelsagenda des Landes ist. Durch den Abschluss von CEPAs, bei denen es sich um bilaterale Wirtschafts-Partnerschaftsabkommen bzw. Freihandelsabkommen handelt, sollen die Handelsbeziehungen mit strategisch wichtigen Partnern gestärkt, der Zugang zu globalen Märkten verbessert, die Diversifizierung der Wirtschaft weiter vorangetrieben und insgesamt eine nachhaltige Entwicklung der VAE gefördert werden. Die praktische Umsetzung des Comprehensive Economic Partnership Agreements (CEPA) Programme verfolgen die VAE mit großer Tatkraft. Im September 2025, also lediglich vier Jahre nach Vorstellung des Programms, hatten die VAE bereits 28 CEPAs mit strategisch wichtigen Staaten und Wirtschaftsblöcken geschlossen, von denen einige CEPAs bereits in Kraft getreten sind. Außerdem wurden CEPA-Verhandlungen mit weiteren Staaten aufgenommen, um die wirtschaftlichen Beziehungen zu diesen Staaten zu festigen.
Auch die VAE und die Europäische Union (EU) pflegen traditionell enge wirtschaftliche Beziehungen. Im Jahr 2024 belief sich der Nicht-Öl-Handel zwischen den VAE und der EU auf 67,6 Mrd. US-Dollar. Die EU ist der zweitgrößte Handelspartner der VAE. Vor dem Hintergrund dieser engen wirtschaftlichen Verflechtungen vereinbarten die VAE und die EU am 10. 4. 2025, Verhandlungen über ein CEPA aufzunehmen. Nach Angaben der EU liegt der Fokus der Verhandlungen auf der Liberalisierung des Handels mit Waren, Dienstleistungen und Investitionen einschließlich der Senkung von Zöllen auf Waren. Im Rahmen der Verhandlungen diskutiert werden soll zudem eine vertiefte Zusammenarbeit in strategischen Sektoren wie erneuerbare Energien, grüner Wasserstoff und kritische Rohstoffe. Die EU betont, dass eine vertiefte Zusammenarbeit wesentlich für die gemeinsamen Ziele mit den VAE in den Bereichen des grünen und digitalen Wandels sowie für die Stärkung der wirtschaftlichen Sicherheit im weiteren Sinne sei. Am 28. 5. 2025 wurden die Verhandlungen offiziell aufgenommen. Die erste Verhandlungsrunde begann wenig später am 24. 6. 2025. Im Juli 2025 kamen der emiratische Minister für Außenhandel (Minister for Foreign Trade), H.E. Dr. Thani bin Ahmed Al Zeyoudi, und der EU-Kommissar für Handel und wirtschaftliche Sicherheit, Interinstitutionelle Beziehungen und Transparenz, Maroš ŠefČoviČ, in Brüssel zu Gesprächen über eine Stärkung der bilateralen Beziehungen zwischen den VAE und der EU zusammen. Gegenstand der Gespräche war auch eine Überprüfung der im Rahmen der ersten Verhandlungsrunde im Juni und Anfang Juli 2025 erzielten Fortschritte.
Nach Angaben der EU sind die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit den VAE Teil der umfassenderen Bemühungen, ihre Handels- und Investitionsbeziehungen mit der Golfregion im Einklang mit der “Gemeinsamen Mitteilung an das Europäische Parlament und den Rat: Eine strategische Partnerschaft mit der Golfregion” aus dem Jahr 2022 sowie der “Gemeinsamen Erklärung des ersten Gipfeltreffens der EU und des Golf-Kooperationsrats (GCC)” vom Oktober 2024 weiter zu vertiefen. Die EU ist der Überzeugung, dass das geplante bilaterale Freihandelsabkommen zwischen der EU und den VAE als Baustein für ein künftiges regionales Freihandelsabkommen mit dem Golfkooperationsrat (Gulf Cooperation Council – GCC) dienen könnte. Die EU ist nach wie vor ein wichtiger Handelspartner der GCC-Staaten.
Aus Sicht der VAE würde sich ein Freihandelsabkommen mit der EU einreihen in die beträchtliche Anzahl von CEPAs mit anderen, zum Teil bedeutenden Volkswirtschaften. So haben die VAE im November 2024 ein CEPA mit Australien unterzeichnet. Bereits zuvor wurden CEPAs mit einer Reihe weiterer Länder, z. B. Indien, Indonesien, Türkei, Israel, Serbien, Jordanien, Vietnam, Südkorea und Costa Rica unterzeichnet. Im Jahr 2025 wurden weitere Abkommen bspw. mit Malaysia, Neuseeland, Kenia, der Ukraine und der Zentralafrikanischen Republik geschlossen. Einer Pressemeldung zufolge befinden sich die VAE zudem in CEPA-Verhandlungen mit Japan.
Aus Unternehmensperspektive wäre der Abschluss eines Freihandelsabkommens zwischen den VAE und der EU besonders zu begrüßen. Positive Folge eines Freihandelsabkommens für Unternehmen wäre neben einem gegenseitig verbesserten Marktzugang und verbesserter Investitionssicherheit auch der Abbau von regulatorischen Hemmnissen. Deutschland zählt zu den bedeutendsten EU-Handelspartnern der VAE, weshalb deutsche Unternehmen von einem Freihandelsabkommen zwischen der EU und den VAE besonders profitieren dürften.
 
Dr. Constantin Frank-Fahle, LL.M., Rechtsanwalt (li.), und Marcel Trost, Rechtsanwalt/Bankkaufmann (re.), beide Abu Dhabi/Dubai, Vereinigte Arabische Emirate



