TextilWirtschaft 49 vom 04.12.2025 Seite 28
Im Aufwind
Der Sparzwang der Verbraucher spielt den Discountern in die Hände. Die Folge: rasante Expansionspläne – aber nicht bei allen
Woolworth: 100 neue Stores im Jahr 2025. NKD: 200 Neueröffnungen. Takko: plus 300 neue Filialen bis 2027. Action: rund 380 Stores mehr. Die Non-Food-Discounter drücken seit einiger Zeit ordentlich aufs Expansionstempo. Was ist dran an diesem Boom? Die Corona-Jahre, der Krieg in der Ukraine haben die Preise nach oben getrieben und die Inflation steigen lassen. Das Gros der Verbraucherinnen und Verbraucher muss den Gürtel enger schnallen. Anbieter, die günstige Preise in ihrer DNA haben, nutzen das wachsende Preisbewusstsein für sich. Die Konsumenten wanderten in diesem Jahr verstärkt zu erschwinglichen, aber attraktiven Einkaufserlebnissen ab. „Discounter und preiswerte Lifestyle-Einzelhändler gehören aktuell zu den wenigen stationären Ladenformaten, die dem allgemeinen Trend der Stagnation entgegenwirken können.“ Zu diesem Schluss kommt die internationale Strategie-Beratung OC&C in ihrer kürzlich erschienenen Studie „State of the Union in German Retail 2025“.
Anbieter wie Action nutzen die Preissensibilität für sich und fahren teils aggressive Wachstumsstrategien. Die Niederländer haben allein im vergangenen Jahr 59 neue Läden in Deutschland – ihrem zweitgrößten Markt nach Frankreich – eröffnet. Anfang Oktober dieses Jahres umfasste das Filialnetz hierzulande 615 Standorte.
5000 Geschäfte in Europa, davon 1500 in Deutschland, ist die Zielmarke von Woolworth. Das Unternehmen, das sich selbst als „Home of Discount“ bezeichnet, wolle in „einigen Jahren flächendeckend der größte deutsche Nahversorger“ sein, sagt CEO Roman Heini. Bekleidung für Frauen, Männer und Kinder trug im Geschäftsjahr 2024/25 über 30% zum Umsatz von 1 Mrd. Euro bei, obwohl nur 20% der Fläche mit Bekleidung bespielt werden. Pro Jahr verkauft Woolworth rund 70 Millionen Teile Bekleidung und Schuhe, das meiste davon unter den Eigenmarken wie Infinity und Hüftgold.
Den Discount-Trend für sich nutzen will auch NKD. Zu den rund 2200 Stores in sieben Ländern könnten weitere 2000 dazukommen. Das Potenzial sei da, sagt CEO Alexander Schmökel. Umsatz und Profitabilität der Bindlacher sind zuletzt Jahr für Jahr gestiegen – auch, weil mehr Kunden aus dem Mid Market aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr zu S.Oliver und Co, sondern zum Discounter gehen. Im Fall NKD ist der Anteil von Produkten im zweistelligen Euro-Bereich allerdings um einiges höher als bei anderen Anbietern in diesem Segment. Dass dennoch bei ihnen gekauft werde, führt Schmökel auch auf Sortiment und Ladengestaltung zurück, die „ein besseres Einkaufserlebnis“ böten. Die Kombination von Qualität, Preis und Mode ist auch das, was die Kundinnen und Kunden bei Takko schätzen, ist Martino Pessina überzeugt. Der Chef das Fashion- Discounters pusht nach Jahren der Zurückhaltung ebenfalls den Ausbau des Filialnetzes. 300 neue Läden in den Kernmärkten bis 2027 ist das Ziel.
Nicht nur Gewinner
Von dem Boom nicht profitieren konnte Pepco. Die deutsche Tochter des polnischen Discounters ist seit Juli im Schutzschirmverfahren. Die Gründe sind wohl eher hausgemacht. So spricht der Insolvenzverwalter von einer „übereilten Expansion“ seit dem Markteintritt im Jahr 2022. Das Hauptproblem seien die teils deutlich überhöhten Mieten gewesen.
Kik, der Günstigste unter den Günstigen, kann von den Sparzwängen nicht zwangsläufig profitieren. Die Kunden, die sich Kik nicht mehr leisten können, wandern ins Lager der Nicht-Konsumenten ab. Kik spricht darüber hinaus von einem härter umkämpften Marktumfeld, anhaltender Inflation und teilweise beeinträchtigten Lieferketten. Die Folge: Das Unternehmen nimmt sein Netz mit 4200 Filialen in 14 Ländern, 2400 davon in Deutschland, aktuell sehr genau unter die Lupe. Unprofitable Stores sollen geschlossen werden, wie viele und wo, ist bislang nicht bekannt.
Ulrike Wollenschläger



