Lebensmittel Zeitung 48
Debatte um Gutachten der Mopoko
Quelle: Lebensmittel Zeitung 48 2025 Heft vom 28.11.2025, Seite 17


Lebensmittel Zeitung 48 vom 28.11.2025 Seite 17

Debatte um Gutachten der Mopoko

Sondergutachten der Monopolkommission (Mopoko) zur Lebensmittellieferkette – Thünen-Institut widerspricht Hauptthese

Die Monopolkommission bewertet die Konzentration auf Handels- und Herstellerebene als besorgniserregend. Der Handel verweist dagegen auf einen scharfen Wettbewerb und das staatliche Thünen-Institut legt zeitgleich eigene Zahlen und Deutungen vor.

Das vergangene Woche veröffentlichte Sondergutachten der Monopolkommission zum „Wettbewerb in der Lebensmittellieferkette“ stieß erwartungsgemäß auf ein breites Medieninteresse sowie ein geteiltes Echo in der Branche. Die Bundesvereinigung der Ernährungsindustrie und der Markenverband sehen sich in ihrer Einschätzung einer überbordenden Nachfragemacht des Lebensmittelhandels bestätigt. Handelsverband HDE und der Bundesverband des Lebensmittelhandels (BVLH) loben das „ausgewogene Gutachten“, kritisieren aber die Öffentlichkeitsarbeit des Expertengremiums: „Wir bedauern, dass die Pressemitteilung der Kommission mit ihrer selektiven Schwerpunktsetzung den differenzierten Ergebnissen des Gutachtens nicht gerecht wird“, sagt BVLH-Präsident Björn Fromm. Die Schlagzeilen würden die wichtigen Inhalte des Gutachtens in den Schatten stellen. Den Vorwurf, zulasten der Landwirte und Verbraucher höhere Gewinnmargen zu erzielen, weist der Edeka-Kaufmann zurück:  „Im harten Wettbewerb der Handelsunternehmen untereinander kann es sich kein Akteur leisten, seine Margen auf Kosten der Kunden zu erhöhen“, betont der Verbandspräsident.

Aber nicht nur im Handel, auch im Thünen-Institut, das dem Landwirtschaftsministerium unterstellt ist, hegt man Zweifel an den Schlussforderungen der Monopolkommission: „Steigende Margen verweisen nicht zwingend auf anhaltenden Missbrauch von Marktmacht“, sagt Anne Margarian zur LZ. „Ich halte das für eine Überinterpretation der Monopolkommission. Zudem entsteht leicht der Eindruck, die Preissteigerungen der letzten Jahre seien allein auf gestiegene Margen zurückzuführen. Haupttreiber der gestiegenen Lebensmittelpreise sind aber die Kosten in Produktion und Handel“, so die Expertin für Marktanalysen. Das Institut veröffentlichte ebenfalls vergangenen Freitag die aktuellen Daten des Thünen-Monitors zur Lieferkette.

Das Bundeskartellamt versichert, derweil die Wettbewerbssituation in der Lieferkette weiterhin fest im Blick zu haben: „Derzeit führen wir zum Beispiel Missbrauchsverfahren gegen Edeka und Coca-Cola und wir haben erst im Juni dieses Jahres die Übernahme von Vion-Schlachthöfen durch die Premium Food Group (Tönnies) untersagt“, bekräftigt Präsident Andreas Mundt gegenüber der LZ.

Der Vorsitzende der Monopolkommission Tomaso Duso betont  im LZ-Gespräch, dass das Expertengremium die Konzentration in der Lebensmittellieferkette kritischer bewertet als das Amt.

Hanno Bender