TextilWirtschaft 49 vom 04.12.2025 Seite 26
Neuer Zuschnitt
KaufzurĂĽckhaltung, Kostensteigerungen und Konkurrenzdruck verschieben das MarktgefĂĽge
Physikalisch gesehen ist Druck eine skalare Größe. Das heißt, er ist nicht richtungsgebunden, sondern wirkt – zumindest in Flüssigkeiten und Gasen – in alle Richtungen. Für den Modemarkt ist diese Konsistenz zwar nicht ganz zutreffend, dennoch passt das Bild, dass Druck an der ein oder anderen Stelle ausgeübt wird und es dadurch an anderen Stellen zu Verschiebungen kommt, gerade in diesem Jahr gut.
Neues Konsumverhalten
Verschiedenste Einflussfaktoren bringen Bewegung in den heterogenen Modemarkt. Steigende Energie- und Personalkosten schmälern die Margen. Die Verbraucherinnen und Verbraucher halten sich vor dem Hintergrund der Inflationserfahrungen der Vorjahre und der steigenden Arbeitslosigkeit beim Modekauf zurück. Und suchen zunehmend nach günstigeren Alternativen. Gleichzeitig schwindet die Zahlungsbereitschaft für allzu hochpreisge Luxus- und Premiumgüter. Es wird bewusster eingekauft. Immer häufiger beantworten die Menschen die Frage „Brauche ich dieses T-Shirt oder diesen Pulli wirklich auch noch?“ mit „Nein“.
Anbieter wie Shein und Temu drängen – nachdem ihnen durch die US-Zollpolitik ein Markt abgeschnitten wurde – mit steigenden Werbebudgets massiv in den europäischen und damit auch deutschen Markt. Das Angebot scheint die Menschen anzusprechen – preislich, modisch und als Kauferlebnis. Bereits jeder zweite Online-Shopper hierzulande hat dort laut einer Studie des Branchenverbands Bitkom schon einmal bestellt.
Während die Paketflut aus China steigt, sehen sich viele stationäre Modeanbieter mit Frequenzrückgängen konfrontiert. Der samstägliche Einkaufsbummel fällt hinter andere Prioritäten zurück. Statt Mode leisten sich die Menschen – vor allem die, die über ein ausreichend großes Budget verfügen – lieber Reisen, Konzerttickets oder den Restaurantbesuch. Mit Folgen für den Modemarkt.
Da das Marktvolumen kaum steigt, verändert sich unter dem Druck von innen und außen die Marktstruktur. Und es zeichnen sich Entwicklungen ab, die sich 2026 fortsetzen werden.
Aziza Freutel



