Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung 25 vom 20.12.2025 Seite 8
Konsolidierung im BĂŒro
Im Bereich Administration sind die GehÀlter bis vor zwei Jahren auf breiter Front stark gestiegen. Im aktuellen Gehaltsvergleich von Konen & Lorenzen zeigt sich ein differenziertes Bild.
Im Vergleich mit anderen Branchen arbeiten im Gastgewerbe besonders viele BeschĂ€ftigte im sogenannten Niedriglohnbereich. Doch gerade in FĂŒhrungspositionen, die Verantwortung fĂŒr Mitarbeiter und Budgets umfassen, können sich die GehĂ€lter in der Hotellerie durchaus sehen lassen. Das zeigt auch der Auszug aus dem Gehaltsvergleich 2024 von Konen & Lorenzen.
Der BranchenmarktfĂŒhrer in der Vermittlung von FĂŒhrungskrĂ€ften hat nach 2023 dieses Jahr erneut eine fundierte Analyse der GehĂ€lter von Managementpositionen im Gastgewerbe erstellt. Diese beruhen auf einer Ă€uĂerst belastbaren Datenbasis: Ausgewertet haben Konen & Lorenzen rund 465 vermittelte ArbeitsvertrĂ€ge sowie konkrete Gehaltsvorgaben aus ĂŒber 1800 Suchmandaten der vergangenen 18 Monate.
Der anhaltende FachkrĂ€ftemangel, steigende Betriebskosten und die zunehmende wirtschaftliche Unsicherheit stellen die Hotellerie und Gastronomie vor groĂe Herausforderungen. In dieser komplexen Marktsituation fĂ€llt es vielen Unternehmen zunehmend schwerer zu bewerten, ob die eigenen Gehaltsstrukturen noch wettbewerbsfĂ€hig sind; eine wichtige Voraussetzung im harten Kampf um die verfĂŒgbaren KrĂ€fte. In dieser Folge der ahgz-Serie geht es um den Bereich Administration, also um die Entlohnung von FĂŒhrungskrĂ€ften aus Berufsfeldern wie Personal, Finanzen, Technik, aber auch Wellness und Spa, aufgeschlĂŒsselt nach der Hotelkategorie.
Dabei fĂ€llt im Vergleich mit dem Gehaltsreport des Vorjahres auf, dass einige Positionen 2024 etwas geringer vergĂŒtet werden. Das gilt etwa fĂŒr den Head of HR sowohl in Business-, als auch in Leisure-Hotels. 2024 konnten diese mit einem Jahresgehalt von 115.500 Euro (Business) beziehungsweise 112.000 Euro (Leisure) rechnen, 2023 verzeichnete der Gehaltsreport fĂŒr sie noch ein SalĂ€r von jeweils 120.000 Euro. Das könnte möglicherweise widerspiegeln, dass geeignete Kandidaten fĂŒr HR-Spitzenpositionen 2023 knapper waren als derzeit. Ob sich da bemerkbar macht, dass zahlreiche Industriezweige wirtschaftlich zu kĂ€mpfen haben und das Gastgewerbe als Option fĂŒr einen Wechsel sehen?
Upscale- und Budget-Hotels haben im Jahresvergleich ihre GehĂ€lter fĂŒr HR-SpitzenkrĂ€fte dagegen erhöht. So verdienten diese im gehobenen Segment 2023 rund 140.000 Euro, ein Jahr spĂ€ter sind es 142.000 Euro. StĂ€rker noch ist der Anstieg in der Budgethotellerie, wo inzwischen 125.600 Euro gezahlt werden, nach 120.000 Euro im Jahr davor. Diese Entwicklung ist eventuell darauf zurĂŒckzufĂŒhren, dass derzeit die Hotelkategorien an den beiden Extremen der Hotellerie laut Studien fĂŒr Investoren besonders attraktiv sind. Damit einher geht dann auch ein besonderer Bedarf, sowohl zahlenmĂ€Ăig als auch, was besondere FĂ€higkeiten betrifft, die fĂŒr die jeweilige Hotelkategorie wichtig sind.
Unter Druck befinden sich hingegen eher die GehĂ€lter der unteren FĂŒhrungsebenen im Personalbereich. So verdiente ein Assistant HR Manager im Upscale-Bereich vor einem Jahr noch 65.000 Euro, 2024 wurden ihm lediglich 55.500 Euro bezahlt. In der Budget-Hotellerie sank im gleichen Zeitraum das Gehalt von 48.000 auf 45.000 Euro.
Auch im Finanzbereich ist der Trend bei der Entlohnung nicht einheitlich. In der Top-Position Head of Finance stieg das Gehalt in der Upscale- und Budget-Hotellerie. Im Upscale-Segment betrĂ€gt der Verdienst 2024 fĂŒr den Finanzchef demnach 155.500 Euro (2023: 150.000), im Budget-Segment kletterte das Gehalt von 120.000 auf nun 125.000 Euro. Auch hier ist in der Business- und Leisure- Hotellerie eine gegenlĂ€ufige Entwicklung festzustellen. So ging das Gehalt eines neu eingestellten Head of Finance in Business-Hotels von 140.000 auf 138.000 Euro zurĂŒck, in Leisure-Hotels von 120.000 Euro auf 117.500 Euro. Einfache Controller oder Analysten mussten 2024 fast durchweg GehaltseinbuĂen hinnehmen, wobei sich die Löhne auch stĂ€rker nach der Hotelkategorie ausdifferenzierten. Bekam ein Mitarbeiter im Controlling oder in der Finanzanalyse 2023 im Durchschnitt im Luxus- Segment 80.000 Euro und in allen anderen Kategorien 70.000 Euro, konnte das jeweilige Vorjahresniveau 2024 nur im Business-Segment gehalten werden. Dort blieb es bei den 70.000 Euro. Im Upscale-Segment wurden dagegen 2024 mit 70.000 Euro 10.000 Euro weniger gezahlt als im Vorjahr. In der Leisure- und Budget- Hotellerie fiel die VergĂŒtung mit 60.000 Euro und 57.500 Euro deutlich bescheidener aus als 2023.
In der Technik sind die GehÀlter weiter gestiegen
In der Technik dagegen konnten neue Mitarbeiter 2024 weiterhin höhere Löhne herausschlagen als im Vorjahr. So verdiente ein Regionaler Technischer Direktor 2023 im Upscale-Segment 120.000 Euro und steigerte sein Gehalt 2024 auf 123.500 Euro. Im Business-Segment erfolgte ein Lohnsprung von 110.000 auf 112.500 Euro, im Leisure- Segment von 90.000 auf 98.000 Euro und im Budget- Bereich von 75.000 auf 87.500 Euro. Hier waren die ZuwÀchse vor allem in den vergleichsweise niedriger bezahlten Segmenten höher.
Im vergangenen Jahr wies Vivien Stefansky fĂŒr den Bereich Administration bei Konen & Lorenzen darauf hin, dass die GehĂ€lter in den 24 Monaten zuvor ĂŒberproportional gestiegen waren. So ist in den teilweise niedrigeren AbschlĂŒssen 2024 auch eine gewisse Konsolidierung auf höherem Niveau als noch vor ca. drei Jahren zu sehen. Als Grund fĂŒr die starken LohnzuwĂ€chse der Vorjahre wurde der allgemeine War for Talents genannt, bei dem das Gastgewerbe und die Hotellerie in Konkurrenz zu anderen Branchen stehen, in denen FachkrĂ€fte aus Hotellerie und Gastronomie gern gesehen sind. Besonders in den administrativen FĂŒhrungsbereichen HR, Finanzen, IT und Technik hĂ€tten deshalb erhöhte und auch flexible Gehaltsmodelle immer gröĂere Bedeutung gewonnen. Dass viele Unternehmen aus der Industrie derweil Sparprogramme verkĂŒnden und Stellen abbauen, könnte auch den Druck auf Arbeitgeber aus Hotellerie und Gastronomie reduzieren, im Wettbewerb um FĂŒhrungskrĂ€fte immer noch mehr drauflegen zu mĂŒssen.
So resĂŒmiert Konen & Lorenzen: In HR und Finance sind die GehĂ€lter in manchen Segmenten leicht gefallen. Nach Corona gab es eine enorme Steigerung, die sich mittlerweile wieder etwas reguliert hat. Dies ist zurĂŒckzufĂŒhren auf Insolvenzen am Markt, Clustering von Positionen, die Auflösung von Corporate Offices, den Aufkauf von Hotelketten etc. Dadurch sind deutlich mehr Bewerber auf dem Markt, und die Unternehmen können die GehĂ€lter etwas mehr kontrollieren. Die Erwartung der HR-Experten: Die GehĂ€lter im Bereich Administration werden zunĂ€chst stabil bleiben, ohne groĂe Schwankungen.
Keine Vergleichswerte des Personaldienstleisters fĂŒr 2023 gibt es fĂŒr den Verantwortungsbereich Wellness und Spa. Die fĂŒr 2024 veröffentlichten Werte liegen in der Upscale- Hotellerie deutlich ĂŒber denen anderer Kategorien. Das verwundert nicht, schlieĂlich sind die GĂ€ste, die in HĂ€usern der gehobenen Kategorien absteigen, in der Regel sehr reiseerfahren und entsprechend anspruchsvoll. So zahlt die Upscale-Hotellerie einem Regional Spa Manager im Durchschnitt 94.500 Euro und damit fast 20.000 Euro mehr als die klassische Leisure-Hotellerie. Auch das SalĂ€r fĂŒr einen Spa Director oder Spa Manager unterscheidet sich zwischen beiden Hotelkategorien stark. WĂ€hrend dieser in der ânormalenâ Leisure-Hotellerie lediglich 55.000 Euro erhĂ€lt, sind es im Upscale-Bereich 72.000 Euro.
Marina Behre



