food service 1 vom 12.01.2026 Seite 3
Klare Perspektive fĂĽr 2026
Planungssicherheit ist in der Gastronomie zum Luxus geworden. Verzögern sich Projekte oder liegen Expansionspläne auf Eis, fehlt in den seltensten Fällen der Mut, sondern es fehlt Verlässlichkeit. Ein Sinnbild dafür: Bis kurz vor Jahresende blieb offen, wie es mit der Mehrwertsteuer weitergeht.
Schlussendlich hat die Politik eine klare Entscheidung getroffen. Ab 1. Januar 2026 gilt dauerhaft der reduzierte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent auf Speisen in der Gastronomie. Damit endet nicht nur eine jahrzehntelange Wettbewerbsverzerrung zwischen Verzehr vor Ort und auĂźer Haus, vor allem kehrt ein zentraler Faktor unternehmerischen Handelns zurĂĽck: Planungssicherheit. Nach den Erfahrungen der Corona-Pandemie sendet dieser Beschluss ein wichtiges Signal des Vertrauens, das lange gefehlt hat.
Gäste können trotz dieser Entlastung kaum Preissenkungen erwarten, die Gründe sind wohlbekannt: Personal-, Energie- und Warenkosten sowie Mieten bewegen sich weiterhin auf hohem Niveau bzw. werden aller Voraussicht nach noch weiter steigen. Ein Beispiel ist der gesetzliche Mindestlohn, der ab dem 1. Januar 2026 von 12,82 Euro auf 13,90 Euro pro Stunde und 2027 auf 14,60 Euro steigt.
Der eigentliche Mehrwert der Mehrwertsteuersenkung liegt woanders: in belastbaren Kalkulationen, der Möglichkeit, Investitionen zu planen, Konzepte weiterzuentwickeln und wirtschaftliche Substanz zu sichern. Gastronominnen und Gastronomen können wieder gestalten.
Der Markt reagiert vorsichtig positiv. Prognosen der Circana-Marktforscher für 2026 gehen von moderatem Wachstum bei Frequenzen und Umsätzen aus. Gleichzeitig bleibt die Lage fragil. Preissteigerungen könnten die Erholung ausbremsen, niedrigere Einkommensgruppen sind dem Außer-Haus-Markt bereits weitgehend verloren gegangen. Impulse hingegen kommen vor allem von Single-Haushalten, der Generation 60+ und einer rückläufigen Homeoffice-Quote. Die gesamte Analyse lesen Sie ab Seite 28.
Auch unsere exklusive foodservice-Jahresend-Umfrage ab Seite 32 bestätigt diesen Trend. Trotz Kostenbelastung und Preissensibilität blickt die Branche mehrheitlich optimistisch auf 2026. Investitionsbereitschaft, Expansionspläne und positive Umsatzerwartungen treffen auf einen klaren Fokus: Erlebnis, Emotion, Gastgeberrolle. Der Wettbewerb um den Gast wird härter – und gewinnt gleichzeitig an Qualität. Geschwindigkeit, digitale Services, To-go-Formate und eine stringente Guest Journey sind ebenso gefragt wie gut ausgebildete, motivierte Teams. Bemerkenswert ist der Wille zur Balance: Effizienz und Menschlichkeit, Technologie und persönliche Nähe, wirtschaftliche Notwendigkeit und kultureller Anspruch.
Die Gastronomie startet damit in ein Jahr, das weniger von Euphorie als von Realismus geprägt ist. Planungssicherheit ersetzt keine unternehmerische Leistung – sie schafft aber den Raum, in dem diese wieder möglich wird.
Für mich persönlich markiert der 1. Januar 2026 ebenfalls einen Übergang. Mit dem Start ins neue Jahr beginne ich meine Aufgabe als Chefredakteurin von foodservice. Gemeinsam mit dem großartigen Team werden wir die Branche weiterhin fundiert und praxisnah begleiten – in einer Zeit, in der Verlässlichkeit wieder an Bedeutung gewinnt.
Ilona Renner



