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„Die Zölle sind ein Eigentor“
Quelle: agrarzeitung 4 2026 Heft vom 23.01.2026, Seite 5


agrarzeitung 4 vom 23.01.2026 Seite 5

„Die Zölle sind ein Eigentor“

IfW Kiel: US-Wirtschaft trägt Belastung fast vollständig selbst

Frankfurt a.M. Mit höheren Zöllen wollte US-Präsident Donald Trump Arbeitsplätze in den USA fördern und die Staatseinnahmen steigern. Doch laut einer Studie hat das wohl nicht geklappt wie erhofft.

Das Kiel Institut für Weltwirtschaft hat in dieser Woche nachgewiesen, dass die Kosten der US-Zölle nicht bei den Exporteuren hängenbleiben, sondern stattdessen fast komplett – nämlich zu 96 Prozent – von den Importeuren und den Verbrauchern getragen werden.

„Die Zölle sind ein Eigentor“, sagte Julian Hinz, Forschungsdirektor am Kiel Institut und Mitautor der Studie. „Die Behauptung, dass ausländische Staaten diese Zölle tragen, ist ein Mythos. Die Daten zeigen das Gegenteil: Die Amerikaner bezahlen die Rechnung.“

Exporteure achten auf Margen

Zwar sind die US-Einnahmen durch die Einführung der höheren Zölle tatsächlich gestiegen: Sie lagen zuvor relativ gleichmäßig bei etwa 7 bis 8 Mrd. US-$ im Monat und kletterten dann rasch auf mehr als 32 Mrd. US-$ im Oktober 2025. Insgesamt sollen die US-Zolleinnahmen im vergangenen Jahr um etwa 200 Mrd. US-$ gestiegen sein.

Die Forschenden konnten aber zeigen, dass die Exporteure ihre Preise nicht senkten, um die zusätzlichen Zollbelastungen abzufedern. Stattdessen nahmen sie Einbußen bei Marktanteilen in Kauf, hielten dafür aber ihre Gewinnmargen stabil. Der Beweis: Wären die Zölle von den Exporteuren getragen worden, hätten sich deren US-Preise im Vergleich zu anderen Absatzmärkten deutlich reduziert – das ist jedoch nicht der Fall: „Wir haben indische Exporte in die USA mit Lieferungen nach Europa oder Kanada verglichen und ein klares Muster erkannt“, erklärte Hinz. „Exportwert und -menge nach Amerika sanken deutlich, um bis zu 24 Prozent. Aber die Stückpreise – die Preise, die indische Exporteure verlangen – blieben unverändert. Sie lieferten weniger, nicht billiger.“

Die Zollkosten schulterten in den USA also die Unternehmen und Verbraucher, die dadurch mit steigenden Preisen und für die Unternehmen geringeren Margen konfrontiert waren.

Obwohl die Exporteure ihre Preise also halten konnten, stehen sie aufgrund der geringeren Liefermengen gleichwohl unter Druck und müssen versuchen, neue Exportmärkte zu finden. „Die Zölle bringen langfristig Nachteile für alle“, sagte Hinz.

Trotz der höheren Zolleinnahmen wuchs im Übrigen das Haushaltsdefizit in den USA, weil Ausgaben unter anderem für Gesundheit, Verteidigung oder Zinsen auf Staatsschulden stiegen.

Trotzdem starke Nachteile

Wie die Nachteile für die deutsche Wirtschaft aussehen, hat kürzlich das Ifo-Institut beleuchtet. Demnach haben die US-Zölle das Wirtschaftswachstum bei uns 2025 um 0,3 Prozentpunkte gedämpft. In diesem Jahr sollen es 0,6 Prozentpunkte sein. Das ist laut Ifo eine Größenordnung, die dem erwarteten Zuwachs durch hohe Staatsausgaben für Infrastruktur und Verteidigung entspricht.

Nur wenige Bereiche bleiben von Trumps Zöllen verschont, sagte Ifo-Ökonomin Lisandra Flach. Ausnahmen seien etwa Dienstleister, da sie nicht betroffen seien, und der deutsche Agrarsektor. Er profitiere von Vorteilen im Handel mit China, da US-Produkte mit dem Zollstreit zwischen den beiden Großmächten teurer geworden seien. „Diese beiden Effekte auf die deutsche Wirtschaft sind aber minimal.“

Außerdem sorgte der seit Trumps zweitem Amtsantritt schwächelnde US-Dollar dafür, dass sich deutsche Waren auf den Märkten verteuerten, auf denen in der US- Währung abgerechnet wird.

Bernhard Vetter