TextilWirtschaft 49
Mode nach Zahlen
Quelle: TextilWirtschaft 49 2025 Heft vom 04.12.2025, Seite 10


TextilWirtschaft 49 vom 04.12.2025 Seite 10

Mode nach Zahlen

Umsätze. Frequenzen. Preisentwicklung. Stimmungsbarometer. So tickt der deutsche Fashion-Markt 2025

Kopfschmerzwetter ist angesagt. Sparen bleibt hoch im Kurs, Geld wird bewusster ausgegeben. Preisaggressive Anbieter erhalten immer öfter den Vorzug. Disruption auf vielen Ebenen ist die Folge

Aziza Freutel hat die wichtigsten Daten, Marktveränderungen und ihre Bedeutung für die Zukunft zusammengefasst

So hoch ist das Modebudget

Für 2025 liegt die Sortimentskaufkraft für Bekleidung und Schuhe bei 535 Euro. Dieser von NIQ Geomarketing erhobene Wert gibt an, wie viel die Menschen in Deutschland für Bekleidung (436 Euro) und Schuhe (99 Euro) ausgeben können. Insgesamt steht das Modesortiment damit für 8,6% der einzelhandelsrelevanten Gesamtausgaben. Dass es sich bei dem Wert um einen Durchschnittswert handelt, zeigt sich auch bei der Auswertung nach Regionen: So ist die Sortimentskaufkraft im Landkreis München mit 590 Euro für Bekleidung fast doppelt so hoch wie im Stadtkreis Gelsenkirchen, wo sie bei 321 Euro liegt.

Auf diesen Kanälen wird Mode geshoppt

Die Kanalverschiebung im Modemarkt geht weiter. Online-Modeshopping gewinnt weiter an Bedeutung. So meldet der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (bevh) für alle drei Quartale eine positive Entwicklung für die Modeumsätze im Online-Handel. Anders sieht es im stationären Modehandel aus. Dort haben die Menschen 2025 etwas weniger für Bekleidung ausgegeben, die Umsätze entwickelten sich laut TW- Testclub in den ersten zwei Quartalen sogar rückläufig im Vergleich zum Vorjahr. Da im Stationärhandel der Großteil der Modeumsätze erzielt wird, lässt diese Entwicklung bestenfalls auf einen Pari-Jahresabschluss schließen.

Das muss fĂĽr Mode bezahlt werden

Zwar ist die Inflationsrate 2025 unter den hohen Werten der Vorjahre geblieben, doch die Verbraucherpreise werden mit Argusaugen weiter verfolgt. Nicht zuletzt, weil viele Verbraucherinnen und Verbraucher dementsprechend ihr Budget verplanen und etwa mehr sparen. Im November ist die Inflationsrate mit plus 2,3% auf dem Vormonatsniveau geblieben. Die Werte für die Modepreise liegen noch nicht vor, doch bereits im Jahresverlauf hat sich gezeigt, dass die Zeit der überproportionalen Preissteigerungen für Bekleidung und Schuhe wohl erst einmal vorbei ist. Zwischen Januar und Oktober verteuerte sich Bekleidung um 0,9%, die Schuhpreise wurden um 0,6% erhöht. Damit bleiben die Modepreise unter der allgemeinen Teuerung.

So viel war in den Innenstädten los

Bei Umfragen im Handel bezüglich der größten Herausforderungen landet das Thema Frequenz immer auf den vorderen Plätzen. Die Zahl der Besucherinnen und Besucher hat sich auch 2025 eher seitwärts als aufwärts bewegt, wie der Frequenzindex hy-X des Frequenzmessungsunternehmens Hystreet zeigt. Stärkere Ausschläge sind oftmals auch auf Kalendereffekte zurückzuführen. So fiel etwa der Feiertag Allerheiligen (1. November) 2025 auf einen Samstag und nicht wie im Vorjahr auf einen Freitag. Besonders viel los war – wenig überraschend – in der Black Friday-Woche. Allerdings verlor der Index in der 48. Woche im Vergleich zum Vorjahr fast acht Punkte.

So ist die Stimmung im Modemarkt

Kurz vor Jahresschluss gab es dann doch noch etwas positivere Nachrichten bezüglich der Konsumstimmung. „Die Verbraucher sind in einer vergleichbaren Konsumlaune wie im letzten Jahr“, sagt Rolf Bürkl, Head of Consumer Climate beim NIM. Die Daten deuteten auf ein stabiles Weihnachtsgeschäft hin, gleichzeitig zeige die Stabilisierung auf niedrigem Niveau aber auch, dass die Konsumenten kurzfristig keine durchgreifende Erholung erwarten. Eine Einstellung, die sie mit den Modehändlerinnen und -händlern teilen. Das Geschäftsklima im Bekleidungs- und Schuhhandel gleicht einer Achterbahnfahrt in diesem Jahr. Vor allem bezüglich der künftigen Geschäftsentwicklung zeigen sich die Modeanbieter pessimistischer.

47,2%

Aufgrund der hohen Preise ersetzt fast die Hälfte der Konsumentinnen und Konsumenten in Deutschland gewohnte Produkte oder Dienstleistungen gezielt durch günstigere Alternativen. Laut der Studienautoren liegt darin auch eine Chance für Hersteller und Handel, da die Wechselbereitschaft zu anderen Marken dadurch so hoch wie selten ist.

Quelle: NIM-Studie Sparen in Krisenzeiten

85%

Plattformen sind beim Online-Kauf die Shoppingdestination No.1. 85% der Online-Kundinnen und -Kunden kaufen auf Plattformen wie Amazon, Zalando oder Otto häufig ein. Zum Vergleich: Bei den Online-Shops großer Händler wie Tchibo, H&M oder Lidl ist der Käufer-Anteil mit 40% noch nicht einmal halb so hoch. Immer häufiger werden Vergleichsportale als Ausgangspunkt für die Produktsuche genutzt. 21% starten dort ihren Online-Shoppingtrip.

Quelle: Bitkom Research 2025

64,7%

Die Konzentration im stationären Modehandel hat einen neuen Höchststand erreicht. Laut Handelsverband Textil, Schuhe, Lederwaren (BTE) gewinnen große Unternehmen ab 100 Mio. Euro Umsatz weiter Marktanteile, während kleine und mittlere Fachgeschäfte Umsätze verlieren und zum Teil schließen. Oftmals aufgrund fehlender Nachfolger. Laut BTE-Berechnungen auf Basis der jüngsten Umsatzsteuerstatistik von 2023 ist der Umsatzanteil der Unternehmen ab 100 Mio. Euro Netto- Umsatz auf 64,7% gestiegen. 2016 lag er noch unter 60%, 2010 sogar unter 50%.

Quelle: BTE

51%

Hatten 2024 noch 47% der Online-Shopperinnen und -Shopper in Deutschland angegeben, schon einmal bei Shein oder Temu bestellt zu haben, waren es dieses Jahr 51%. Damit ist der Anteil laut Bitkom im Vergleich zu den Vorjahren nur noch leicht gestiegen. 10% haben sich die Shops zwar angesehen, aber dort nichts gekauft. 4% können sich einen Einkauf künftig vorstellen. Ein Drittel (33%) schließt einen Besuch oder Kauf dort grundsätzlich aus.

Quelle: Bitkom-Studie

111

Die Insolvenzentwicklung ist in den drei Quartalen dieses Jahres in eine Normalisierungsphase eingetreten, heißt es von der Restrukturierungsberatung Falkensteg. Über alle Umsatzklassen hinweg ist die Zahl der Mode-Insolvenzen um 10,5% auf 111 Verfahren gesunken. Im gesamten Einzelhandel verzeichnete Falkensteg dagegen einen Anstieg um 3,8% auf 706 Fälle.

Quelle: Falkensteg

Aziza Freutel