TextilWirtschaft 1
Skeptischer Start
Quelle: TextilWirtschaft 1 2026 Heft vom 02.01.2026, Seite 12


TextilWirtschaft 1 vom 02.01.2026 Seite 12

Skeptischer Start

TW-Testclub-Sonderbefragung zum Jahreswechsel: So blickt der stationäre Modehandel auf 2025 und das erwartet er für 2026

Zum Jahreswechsel hat der TW-Testclub in einer Sonderbefragung seine Teilnehmerinnen und Teilnehmer danach gefragt, was für sie die drei größten Herausforderungen des Jahres 2026 sein werden. Das eindeutige Ergebnis: Vor allem ein Thema belastet die stationären Multilabel-Modeanbieter. Mit 84% Zustimmung bereitet die aktuelle Konsumstimmung den Händlerinnen und Händler das größte Kopfzerbrechen mit Blick auf 2026. Mit größerem Abstand folgen die Frequenzentwicklung, die für 65% der Befragten im kommenden Jahr eine Herausforderung darstellen wird, sowie die steigenden Personalkosten (55%).

Größte Sorge: Frequenzentwicklung

 Damit gehen die Händlerinnen und Händler davon aus, dass sich die problematischen Entwicklungen des gerade zu Ende gegangenen Jahres auch im kommenden fortsetzen werden. So hat die Frequenzentwicklung 2025 den stationären Modeanbietern das meiste Kopfzerbrechen bereitet. Knapp drei Viertel (74%) der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Sonderbefragung gaben an, dass die Frequenzentwicklung für ihr Unternehmen zu den drei größten Herausforderungen 2025 gehörte. Auf Rang 2 landet die Konsumstimmung mit 65% Zustimmung, den dritten Rang teilen sich steigende Personalkosten sowie die gesamtwirtschaftliche Lage. Für jeweils 45% der Befragten gehörten diese zu den Top 3-Problemen. Bei der Befragung 2024 hatte noch die Konsumstimmung die meisten Sorgen verursacht. Weniger als im Vorjahr haben die stationären Modeanbieter Energiekosten, den Krankenstand, die politische Stabilität und die Liquidität als Herausforderung wahrgenommen. Hatten etwa 2024 noch 32% angegeben, dass der Krankenstand des eigenen Personals belastend gewesen sei, gaben dies für 2025 nur noch 16% der Befragten an.

Als deutlich schlechter als noch im Vorjahr beurteilen die stationären Modeanbieter das Konsumklima für Mode. Mit 94% gibt die große Mehrheit der Befragten an, dass sich dieses im Vergleich zu 2024 verschlechtert hat. Lediglich jeweils 3% sehen eine Verbesserung bzw. eine stabile Entwicklung. 2024 hatten nur 68% eine Verschlechterung der Mode-Konsumstimmung beobachtet.

Eine negative Entwicklung konstatiert die Mehrheit der Modeanbieter auch hinsichtlich der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung sowie der politischen Rahmenbedingungen. Dabei sehen 70% bzw. 74% der Befragten eine Verschlechterung. Für den Großteil verlief die geschäftliche Entwicklung eher unbefriedigend. So geben 84% an, dass sich die Kostenentwicklung verschlechtert hat. Bei drei Vierteln der Befragten sind etwa die Personalkosten gestiegen. Im direkten Zusammenhang damit steht auch die Verschlechterung der Ertragsentwicklung: 77% sehen hier einen Rückgang im Vergleich zum Vorjahr.

Während es an der Spitze der Herausforderungen wenig Veränderung im Vergleich zur Befragung im Vorjahr gab, zeigt sich auf den hinteren Plätzen eine Verschiebung. Hatten bei der Befragung zum Jahreswechsel 2024/25 noch mehr als ein Viertel der Befragten angegeben, dass der Krankenstand eine größere Herausforderung im kommenden Jahr sein würde, geben das jetzt nur noch 3% an. Und auch bezüglich der Personalsituation zeigen sich die stationären Modeanbieter etwas entspannter. Für 16% von ihnen gehört das Thema mit zu den größten Herausforderungen. Im vergangenen Jahr war der Anteil doppelt so hoch. Und auch bezüglich der politischen Stabilität zeigen sich die Modeanbieter weniger beunruhigt als noch beim vergangenen Jahreswechsel.

Insgesamt sind die Händlerinnen und Händler allerdings eher pessimistisch gestimmt. 67% gehen davon aus, dass sich die gesamtwirtschaftliche Entwicklung verschlechtern wird. Sieben von zehn rechnen mit einer weiteren Eintrübung des Konsumklimas für Textilien und Bekleidung. Lediglich 7% rechnen mit einer Verbesserung. Vor allem aber bezüglich der Umsatz- und Kostenentwicklung und damit auch der Ertragsentwicklung sind sie eher pessimistisch. 70% gehen davon aus, dass sich ihre Kostensituation verschlechtern wird.

Die trüben Aussichten haben auch Einfluss auf die Investitionsbereitschaft der stationären Modeanbieter. Knapp 40% gehen von einem Rückgang der Investitionen im kommenden Jahr aus. Lediglich 3% geben an, dass sie die Investitionen steigern werden im Vergleich zum Vorjahr. Ganz oben auf der Agenda stehen dabei Investitionen in die IT (59%) sowie in Ladenbau und Ladeneinrichtung (52%). Außerdem will knapp die Hälfte – jeweils 48% – in Mitarbeiterqualifizierung und Social Media investieren. Immerhin fast jeder Zweite beschäftigt sich zudem intensiver mit dem Thema KI-Lösungen. Vor allem in den Bereichen Buchhaltung, Warenwirtschaft und CRM haben sich die Modeanbieter bereits Lösungen angeschaut. „Wir beobachten das Thema mit großem Interesse und sehen – vielleicht mit Ausnahme der persönlichen Kundenberatung vor Ort – wachsende Bedeutung“, kommentiert ein Modeanbieter aus Nordrhein-Westfalen. Eine Einschätzung, die ein Händler aus Baden-Württemberg teilt: „Die KI kann einen guten Hosenverkäufer niemals ersetzen.“

Aziza Freutel