Lebensmittel Zeitung 3
Veggie-Bann rückt näher
Quelle: Lebensmittel Zeitung 3 2026 Heft vom 16.01.2026, Seite 18


Lebensmittel Zeitung 3 vom 16.01.2026 Seite 18

Veggie-Bann rückt näher

Verbot von Fleischbezeichnung für Alternativprodukte auf EU-Ebene wahrscheinlich – Branche sieht Ernährungsminister gefordert

Das Bundesernährungsministerium stellt sich auf ein Verbot von Fleischbezeichnungen für vegetarische und vegane Produkte auf EU-Ebene ein.

Der Veggie-Bann auf EU-Ebene ist nicht vom Tisch. Zwar hatten sich nach Bekanntwerden der Pläne für Bezeichnungsverbote zahlreiche Politiker in Berlin dagegen ausgesprochen. Doch ein Verbot von Namen wie „Veggie-Schnitzel“ oder „Tofu-Wurst“ für Fleischalternativen droht nach Einschätzung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMLEH) weiterhin. Aus diesem Grund hat das Ministerium in der vergangenen Woche Verbände und Unternehmen zu einem „Austausch über die aktuellen Vorhaben zur Einführung eines Fleischbezeichnungsschutzes auf EU-Ebene“ gebeten. Mit dabei waren nach LZ-Informationen unter anderem der Lebensmittelverband, der Bundesverband Lebensmittelhandels (BVLH), PHW, Handelsketten, Rügenwalder und der Verband der Fleischwirtschaft. In der Einladung hieß es: „Die Bundesregierung hat sich zu den Vorschlägen ablehnend positioniert. Es ist aber zu konstatieren, dass die Vorschläge unter den anderen EU- Mitgliedsstaaten grundsätzlich auf breite Unterstützung stoßen.“

Zudem halte das EU-Parlament daran fest, dass es eine Regelung zum Fleischbezeichnungsschutz in der – derzeit im Trilog verhandelten – Änderung der Gemeinsamen Marktorganisation (GMO) geben soll. Die Verhandlungen dazu sollen unter zypriotischer Ratspräsidentschaft bereits im Laufe dieses Monats wieder aufgenommen werden.

Katharina Oru-Ludwigs, Referatsleiterin für „Gemeinsame Marktorganisation, UTP und Ernährungswirtschaft“ im BMLEH, informierte in der Videokonferenz über den Sachstand. Thematisiert wurden Kompromissmöglichkeiten. Könnte man Begriffe anders fassen, umdefinieren? Die Suche nach neuen Namen für Veggie-Produkte halten viele in der Branche jedoch für verfrüht. In der Anhörung wurde betont, dass Verbraucher am Regal keine Verwirrung empfinden. Die Hoffnung ist, dass Bundesminister Alois Rainer bei seinen EU- Amtskollegen noch Überzeugungsarbeit leisten kann. Es wurde auch deutlich gemacht, dass ein wachsender Exportmarkt ohne Not ausgebremst würde.

Diskutiert wird auch darüber, ob es nationale Spielräume geben kann. Die EU-Kommission strebt indes klar eine einheitliche Lösung an und möchte keinen Flickenteppich nationaler Regelungen. Auf LZ-Nachfrage erklärt Rügenwalder, dass ein Verbot bis zu 70 Prozent des gesamten Portfolios betreffen würde, verbunden mit spürbaren Umstellungen in der Produktion. „Wir hoffen daher auf Augenmaß bei der Ausgestaltung möglicher Regelungen“, betont das Unternehmen. Nach Ansicht von Charlotte Rosendahl, Vizepräsidentin des Lebensmittelverbands, stehen die Brüsseler Pläne im Widerspruch zu allem, was in Deutschland dazu im Deutschen Lebensmittelbuch „verhandelt und beschlossen“ wurde. Regelungen ohne wirtschaftliche Folgenabschätzungen dürfe es nicht mehr geben.

 BVLH-Präsident Björn Fromm sagte der LZ, „EU-weite Bezeichnungsverbote wären der falsche Weg. Sie würden die Orientierung der Verbraucherinnen und Verbraucher erschweren statt verbessern“. Auch er verweist auf die in Deutschland seit 2024 bestehenden praxistauglichen Leitsätze der Deutschen Lebensmittelbuch-Kommission, „die Klarheit schaffen, nicht in die Irre führen und Rechtssicherheit bieten“. Dieses Modell sollte Vorbild sein: klare Zusätze wie „vegan“ oder „vegetarisch“, transparente Kennzeichnung und echte Wahlfreiheit für die Verbraucher. Fromm: „Die EU droht hier, ein funktionierendes und klar geregeltes System unnötig zu überregulieren.“

Hans-Jürgen Deglow