Immobilien Zeitung 51 vom 18.12.2025 Seite 1,4,5
Lach doch mal, Deutschland!
Wirtschaftslage. Die Krisenstimmung ist groß in der Bundesrepublik. Deutsche Gläser sind halb leer und nicht halb voll. Und eine beliebte Antwort auf die Frage „Wie geht es?“ ist hierzulande ein seufzendes „Muss ja.“ Alles teuer, alles schlecht, nichts geht mehr. Im Ausland blicken sie erstaunt auf die deprimierten Deutschen, die „German Angst“ ist ein feststehender Begriff in der englischen Sprache geworden, auch in der Immobilienwirtschaft. Dabei gibt es gute Gründe und Fakten, die für mehr Selbstbewusstsein sprechen – und für mehr Mut.
Wirtschaftlicher Erfolg und gute Laune sind untrennbar miteinander verbunden. Schlechte Börsenstimmung und durch die Decke gehende Aktienkurse zur gleichen Zeit gibt es nicht. Ein gesunkener Ifo-Geschäftsklimaindex und rundum zufriedene Unternehmen passen ebenfalls nicht zusammen. Ein Paar also, auf Gedeih und Verderb. Die Auslöser des momentanen Stimmungstiefs, auch in der deutschen Immobilienwirtschaft, sind vielfältig und brutal. Zinswende, Krieg in der Ukraine, Inflation, Kostenanstieg. Insolvenzen statt Investitionen. Das verhagelt einem nicht nur zu Recht die Laune, sondern kostet auch Arbeitsplätze und Existenzen.
Mit dem 23. Februar 2025 sollte alles anders, alles besser werden. An diesem Sonntag vor knapp zehn Monaten wählten die Deutschen einen neuen Bundestag. Viele Hoffnungen ruhten auf der Regierung um Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), die Anfang Mai vereidigt wurde. Am Tag der Immobilienwirtschaft Anfang Juni, den der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) in Berlin veranstaltete, pulsierte der Friedrichstadtpalast und mit ihm die versammelte Immobilienbranche nur so vor Optimismus.
Davon ist inzwischen nur noch wenig zu spüren. Dabei sind die Zahlen, die Deutschland liefert, besser geworden. Und: Die Bundesrepublik ist im Vergleich zur EU insgesamt und anderen europäischen Ländern sowie auch den USA und China keineswegs überall Schlusslicht. „Auch andere Länder haben ihre Themen mit der Infrastruktur, mit Bürokratie. So schlecht ist es in Deutschland nicht im Vergleich“, meint auch Konstantin Kortmann, CEO Germany JLL.
Die Inflationsrate hat sich bei etwas über 2% eingependelt und liegt damit auf der Höhe der in der EU. Die USA müssen mit 3% klarkommen. Die deutsche Arbeitslosenquote notiert mit 3,4% deutlich unter der von beispielsweise Frankreich und Spanien. Trotz der oft betonten Innovationsfeindlichkeit hierzulande gaben wir nach den aktuellsten Eurostat-Zahlen 3,13% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Forschung und Entwicklung aus. Für China hält die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) 2,58% fest (vgl. Seiten 4/5).
Nur will sich von alldem kaum jemand beflügeln lassen. Wer geschäftlich international unterwegs ist, der weiß, dass der Blick vom Ausland auf die Bundesrepublik ein anderer ist. „Die Sicht internationaler Investoren ist ausgesprochen positiv seit Anfang des Jahres. Zwei Mal 500 Mrd. Euro auf den Weg zu bringen, hat man als Handlungsfähigkeit registriert, die Deutschland vorher nicht mehr zugetraut worden war“, sagt Klaus Franken, CEO von Catella Project Management. „Deutschland ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt und geht wieder in Europa voran“, bekommt er jenseits der Grenzen zurückgespiegelt.
Gero Bergmann, Präsident des Verbands deutscher Pfandbriefbanken (VDP), bestätigt: „Deutschland wird – trotz vieler struktureller Probleme – weiterhin als zentrale Wirtschaftsnation und bedeutendster Immobilienmarkt Europas gesehen.“ Er sagt: „Internationale Immobilieninvestoren sind grundsätzlich positiv zum deutschen Markt eingestellt und stehen mit erheblichem Kapital bereit.“
Bergmann liefert auch eine Erklärung mit, warum es den hiesigen Marktakteuren nicht so recht gelingt, die Sache optimistischer zu sehen. „Diskussionen über die heimische Wirtschaft und den eigenen Immobilienmarkt werden hierzulande häufig sehr kleinteilig geführt und es stehen eher Risiken als Chancen im Vordergrund.“ Aspekte wie Planungs- und Rechtssicherheit in Deutschland hätten international einen hohen Wert. „Die Lage ist besser als die sehr skeptische Innenwahrnehmung. Es gibt Investoreninteresse – aus dem europäischen Ausland, aus Nordamerika und auch aus dem pazifischen Raum“, weiß Kortmann zu berichten.
Es gibt sie also, die Optimisten und die Geschäftsgelegenheiten. Ein dümmliches Sprichwort lautet: Kommen Sie rein, dann können Sie rausschauen. Gemünzt auf die Immobilienbranche muss es zum Jahresende eher heißen: Gehen Sie mal raus, um reinzuschauen – das macht bessere Laune. Oder wie Bergmann sagt: „Wir brauchen einen Mentalitätswechsel – weg von der deutschen Angewohnheit, alles schlechtzureden, hin zu Optimismus, Tatkraft und dem Feiern von Unternehmertum.“
Brigitte Mallmann-Bansa


