TextilWirtschaft 2 vom 08.01.2026 Seite 16
Kein Umsatzknaller
Das neue Jahr startet so, wie das alte aufgehört hat: mit einem Umsatzminus. Vor allem der Wintereinbruch hat die Frequenz gebremst
Zum Jahreswechsel gab es vielerorts Schnee und Eis. Dicke Jacken, Schals und Mützen waren Pflicht. Den Umsätzen im stationären Modehandel hat die Witterung allerdings nur zum Teil geholfen. Vor allem der vielerorts verschneite Samstag hat Frequenz gekostet und so ein besseres Ergebnis verhindert. Ganz anders sah es dagegen für die Anbieter von Feuerwerk aus. Bereits zum Start des offiziellen Verkaufs von Silvesterfeuerwerk am 29. Dezember bildeten sich lange Schlangen vor den Läden.
Ein Bild, wie man es im Handel  kaum noch sieht. Offizielle Zahlen liegen noch nicht vor, aber man geht davon aus, dass der Rekord des Jahreswechsels 2024/25 mit 197 Mio. Euro Umsatz laut dem Verband der pyrotechnischen Industrie erneut getoppt werden konnte. Allen Diskussionen um die Sinnhaftigkeit der Silvesterböllerei zum Trotz. Das Budget dafür war bei den Konsumentinnen und Konsumenten, bei denen ansonsten im vergangenen Jahr das Geld nicht locker saß, offenbar da.
Im Modehandel zeigten sich die Verbraucher dagegen weniger ausgabefreudig. Die erste Woche des Jahres mit den oft umsatzstarken Tagen „zwischen den Jahren“ konnte kein Umsatzfeuerwerk entfachen. „Sehr schwach, leider gibt es die umsatzstarke Zeit zwischen den Feiertagen nicht mehr“, bemerkt eine Modehändlerin in Nordrhein-Westfalen. Unter dem Strich steht für die Unternehmen im TW-Testclub zum Jahresauftakt erneut ein Minus. Sechs von zehn Händler schließen die 1.Woche 2026 unter Vorjahr ab. Im Schnitt beläuft sich das Minus auf 7%. Relativiert wird dieses auf den ersten Blick schwache Ergebnis allerdings durch die starke Vorlage von plus 10% aus dem Vorjahr.
Auffällig ist die Diskrepanz zwischen den Anbietern mit einem preiswerteren und einem höherwertigen Sortiment. Während das Konsumgenre die Woche 10% unter Vorjahr abschließt, beläuft sich das Minus im hohen Genre „nur“ auf minus 3%. Das Mittelgenre verzeichnet einen Erlösrückgang von 5%. Gut getan habe die Kälte – wenig überraschend – insbesondere den Jacken- und Mäntelumsätzen. „Durch die Kälte gingen Handschuhe und Strick, ohne Reduzierungen“, berichtet ein Händler aus dem Norden, wo man besonders vom ungewöhnlich starken Wintereinbruch betroffen war.
Besonders mau lief das Geschäft in Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern (minus 16%). Die POS in kleineren Städten mit Einwohnerzahlen zwischen 10.000 und 30.000 schafften dagegen sogar ein Plus von 6%. Auch das ist möglicherweise eine Folge des Wintereinbruchs, der doch eher zum Ausflug aufs verschneite Land als zum Einkaufsbummel in die großen Citys eingeladen hat.
Anja Haak


