Lebensmittel Zeitung 33 vom 14.08.2026 Seite 18
Recht & Politik
Mehrheit glaubt nicht an Wirksamkeit der Zuckerumfrage
Konsumentenbefragung von Marktforschungsinstitut Numerator – Aussagen zur Preis-Schmerzgrenze und sozialen Komponenten
Wie sich die geplante Zuckersteuer auf das Kaufverhalten auswirkt, ist Gegenstand einer Umfrage unter Konsumenten. Viele der Befragten zeigen sich preissensibel.
Eine aktuelle Konsumentenbefragung zeichnet ein differenziertes Bild zur Zuckersteuer. Zwar befürwortet eine Mehrheit der Befragten (59 Prozent) die Steuer. Zugleich glauben 56 Prozent nicht, dass sie den Zuckerkonsum tatsächlich reduzieren würde. Die Ergebnisse sind Teil einer Studie des Marktforschungsunternehmen Numerator, die der LZ exklusiv vorliegt. Für die Studie wurden vom 2. bis 10. August 2092 Konsumenten befragt und in vier Gruppen unterteilt. Verifiziert durch ihre Kaufbelege haben diese in den letzten drei Monaten mindestens drei Mal zuckergesüßte Softdrinks, Zero-/Light-Softdrinks oder Fruchtsäfte gekauft. Die vierte Gruppe bilden Käufer, die sowohl zuckergesüßte als auch Zero-/Light-Varianten konsumiert haben.
Regelmäßige Käufer zuckergesüßter Softdrinks stimmen einer Steuer mit 55 Prozent zwar zu, 15 Prozent wissen dabei noch nicht, wie sich ihre Kategorie-Käufe verändern würden. Zero-/Light-Käufer beurteilen die Wirksamkeit noch am positivsten mit 48 Prozent und zeigen die höchste Zustimmung zur Steuer (63 Prozent). Sie haben zugleich am seltensten Bedenken gegenüber Süßungsmitteln. Fruchtsaft-Käufer bilden laut Studie das anfälligste Segment. Obwohl ihre Zustimmung zur Steuer mit 62 Prozent hoch ist, reagieren sie auf Preise besonders stark. Sie weisen laut Umfrage die höchste Wechselbereitschaft auf (39 Prozent) und zeigen eine hohe Präferenz für Zuckerreduktion ohne Süßungsmittel (51 Prozent) und ohne künstliche Zutaten: „Fruchtsaft erscheint damit als eine der Kategorien mit dem größten Risiko für Kauf- und Markenverluste.“ 47 Prozent aller Befragten vermuten als Hauptmotiv der Steuer zusätzliche Staatseinnahmen; nur 24 Prozent sehen die Reduktion des Zuckerkonsums beziehungsweise gesundheitliche Vorteile als Hauptmotiv, 21 Prozent nennen geringere Kosten für das Gesundheitssystem. 43 Prozent kritisieren die Belastung einkommensschwächerer Haushalte, 42 Prozent fürchten steigende Getränkepreise.
70 Prozent meinen, eigentlich sollten die Hersteller die Kosten tragen, aber zugleich erwarten 64 Prozent, dass am Ende die Verbraucher mehr zahlen. Ein Preisaufschlag von 32 Cent pro Liter würde aus Sicht von 55 Prozent bedeuten, dass sie ihre Käufe in der jeweiligen Kategorie reduzieren wollen; zehn Prozent würden die Kategorie gar nicht mehr kaufen. 27 Prozent geben an, im Falle einer Zuckersteuer einen Markenwechsel zu planen.
Unterdessen hat der Wirtschaftsrat der CDU ein Positionspapier zur Zuckersteuer vorgelegt. Es sei nicht die Aufgabe des Staates, „Konsumentscheidungen seiner Bürger über Strafsteuern zu lenken“, heißt es darin.
Hans-Jürgen Deglow



